Gemäldeausstellung „Gefäß als Rhetorik“ in der L-Kunstgalerie in Futian eröffnet
Redakteur: Sophia | Von: Amazing Shenzhen | Aktualisiert: 2026-08-29

Gan Ting (im schwarzen Kleid), Kuratorin der Ausstellung, stellt den Besuchern ein Kunstwerk vor. Fotos von Chang Zhipeng, sofern nicht anders angegeben
Die Ausstellung „Gefäß als Rhetorik“ mit zwei Künstlern wurde am 28. August in der L-Kunstgalerie im zweiten Stock des Shenzhen Museum of Contemporary Art and Urban Planning im Bezirk Futian eröffnet.
Die Ausstellung vereint Dutzende Werke von Xu Jiawei und Olga Shcheblykina, darunter Tuschemalereien, Mischmedienarbeiten auf Leinwand und Installationen. Die Künstler, die jeweils zwischen Hongkong und Hangzhou beziehungsweise in Wien arbeiten, finden in dem Gefäß als Urbild einen gemeinsamen Bezugspunkt: Xu stellt klassische europäische Objekte wiederholt mit Tusche und Farbe auf Xuan-Papier dar, während Shcheblykina aus Textilien, Pigmenten und Fäden raumgreifende weiche Formen schafft.

Olga Shcheblykina (r.) spricht mit Besuchern in der L-Kunstgalerie.
Bei der Eröffnungszeremonie sprach Shcheblykina über die enge Verbindung zwischen dem Titel der Ausstellung und ihrer künstlerischen Praxis. Für sie ist ein Gefäß niemals bloß ein funktionaler Gegenstand. Was sie interessiert, ist der Moment, in dem etwas, das ursprünglich einem klaren Zweck dienen sollte, beginnt, zu etwas anderem zu werden – organisch und fragil, als würde es wachsen, zerfallen oder ein Eigenleben entwickeln. Ein Gefäß könne, so ihre Auffassung, auch als etwas verstanden werden, das einen Körper, eine Erinnerung, ein Gefühl oder etwas trägt, das sich nicht eindeutig benennen lässt.
Im Bereich mit Xus Werken stellte die Kuratorin Gan Ting eine Reihe von Kristallkelchen, Weinflaschen, silbernen Platten, Rüstungen und leeren Stühlen vor, die in einem von Farblasuren durchzogenen leeren Raum zu schweben scheinen. Es gibt keinen Horizont, keine Tischfläche und keine sichtbare Lichtquelle – nur das schwache innere Sternenlicht, das von den Objekten selbst auszugehen scheint.

Besucher betrachten die ausgestellten Werke.
Diese wiederkehrenden Objekte dienen zunächst als Träger von Emotionen und Erinnerungen, zugleich bilden sie einen dialektischen Raum der Geschichte, der Spuren von Kolonialismus, globalem Handel und interkultureller Erinnerung in sich birgt. Die Fluidität, Durchlässigkeit und atemähnliche Bewegung der Tusche spiegeln die offenen Grenzen des Gefäßes und seine Rolle als Vermittler zwischen Innen und Außen wider. Xus Darstellung westlicher Objekte mit Tusche wird so zu einem umgekehrten „chinesischen Blick“.
Die Ausstellung läuft bis zum 20. Oktober und ist für die Öffentlichkeit kostenlos zugänglich.

Ein Ausstellungsplakat. Archivfoto